Biologische Vielfalt durch Waschbär und Marderhund gefährdet | Jagd-Fakten

10.02.2014

Biologische Vielfalt durch Waschbär und Marderhund gefährdet

Invasive Arten erleben drastischen Zuwachs; Artenschutz der einheimischen Wildtiere immer dringender

 

Vor allem der Waschbär gilt allgemein als „putzig“ und „süß“, doch dass er auch ganz anders kann und den Artenschutz bedroht belegt die neue Jagdstatistik des Deutschen Jagdverbands (DJV). Anlässlich der Jadgmesse Jagd und Hund brachte der DJV Statistiken über die Verbreitung von invasiven Arten in Deutschland heraus. Auffällig ist, dass Waschbär und Marderhund beachtliche Wachstumsraten zu verzeichnen haben. Im Jagdjahr 2012/13 wurden zum ersten Mal mehr als 100.000 Waschbären von Jägern erlegt. Dies sind fast 50 Prozent mehr, als noch im vorherigem Jagdjahr. Nimmt man gar die letzten zehn Jahre ins Visier so ist die Zahl der erlegten Tiere um mehr als 3.000 Prozentpunkte angestiegen. Auch der Marderhund scheint sich in Deutschland weiter auszubreiten. Nachdem in den letzten vier Jagdjahren die Population noch rückläufig war, stieg sie im letzten Jagdjahr um 29 Prozent an. 18.600 Tiere wurden von Jägern erlegt. Im Bezug auf die letzten 10 Jahre ist dies ein Zuwachs von 4.500 Prozentpunkten.

Aufgrund der alarmierenden Ergebnisse fordert der DJV von der Bundesregierung eine effektivere Populationskontrolle von invasiven Tierarten in Deutschland, um den Artenschutz zu unterstützen. Zu den invasiven Tierarten gehören auch der ursprünglich aus Nordamerika kommende Waschbär und der aus China stammende Marderhund. Beide Arten sind nachtaktiv, daher wäre der verstärkte Einsatz von Fallen zielführend. „Ein Verbot der Fangjagd wie von manchen Kreisen gefordert, wäre kontraproduktiv für den Naturschutz. Ob es nun Fangjagd heißt oder Prädatorenmanagement – der Einsatz von Fallen ist unabdingbar. Es geht nicht um Begrifflichkeiten“, kommentiert Dr. Daniel Hoffmann, DJV-Präsidiumsmitglied. Mit dem Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) existiere bereits ein effektives Instrument zum Monitoring und damit zur Unterstützung vom Artenschutz. Schon heute steuert dieses wichtige Daten bei, meint Dr. Hoffmann weiter. So lieferte WILD 2011 eindeutige Daten, die belegen, dass in 27.000 Jagdrevieren, was circa der Hälfte der deutschlandweit unbebauten Fläche entspricht, invasive Arten sich vermehren. Das Ergebnis: Waschbär und auch Marderhund breiten sich in immer größeren Gebieten aus.

2011 wurde der Marderbär in 76 Prozent aller Jagdreviere im Hauptverbreitungsgebiet (Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg) erfasst. Dies ist ein Zuwachs von 19 Prozentpunkten im Vergleich zu 2006. Auch der Waschbär verzeichnet deutliche Zuwachsraten in seinen Kerngebieten in Brandenburg, Hessen und Thüringen. In 66 Prozent der Jagdreviere wurde eine Population kartiert. Dies ist eine Wachstumsrate von 46 Prozent zu 2005. Je höher die Wachstumsraten, desto notwendiger wird professioneller Artenschutz von einheimischen Tieren.
Invasive Arten, wie Waschbär und Marderhund, sind in Bezug auf Lebensraum und Nahrung sehr anpassungsfähig. Sie verdrängen einheimische Tiere oder besetzen freie Nischen im Ökosystem. Die Notwendigkeit Artenschutz für einheimische Tieren zu betreiben wächst. So ist der Waschbär z.B. für das Aussterben der bedrohten europäischen Sumpfschildkröte in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit verantwortlich. Nicht nur die Eier der Schildkröte, sondern auch die erwachsenen Tiere finden sich auf seinem Speiseplan wieder. Auch in Sachsen-Anhalt wildert der Waschbär auffällig. So hat er die Vernichtung Europas größter Graureiher-Kolonie mit fast 420 Brutpaaren zu verantworten. In Thüringen hat die Kleinbärart sich in jedem fünften Horst des Uhus ausgebreitet.

Doch nicht nur in Deutschland stellen die invasiven Arten eine Herausforderung für den Artenschutz einheimischer Tiere dar. So zählt das EU-Projekt DAISIE Waschbär, Marderhund und Mink zu den 100 aggressivsten Arten. Selbst die Berner Konvention rät, genau diese Arten einer engen Kontrolle zu unterziehen, da sie nachweislich die biologische Vielfalt aus dem Gleichgewicht bringen.

(djv) Berlin