Urlaub und Tierschutz: Unvereinbar? | Jagd-Fakten

Junge Katze jagt Vogel (Quelle: ru.gde-fon.com)

12.07.2015

Urlaub und Tierschutz: Unvereinbar?

Auch in den Ferien müssen Haustiere versorgt werden. Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Nicht nur Haus-, sondern auch Wildtiere leiden unter mangelnden Tierschutz während der Ferienzeit. Das muss aufhören, fordern Jäger.

Endlich steht der Urlaub vor der Tür. Wenn doch nicht diese lästigen Haustiere wären. Leider geschieht es viel zu oft, dass Hunde am Rastplatz „vergessen“ oder Katzen irgendwo ausgesetzt werden. Die Konsequenzen sind gleich doppelt dramatisch: Denn die Haustierbestizer verstoßen nicht nur gegen geltenden Tierschutz, auch heimische Wildtiere sind betroffen und werden gefährdet. „Die Verantwortung für ein Haustier endet nicht zur Ferienzeit. Schon bei der Urlaubsplanung muss berücksichtigt werden, wo das Haustier untergebracht werden kann“, appelliert der Vizepräsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und Veterinär, Dr. Wolfgang Bethe.

Eine Gefahr für Wildtiere besteht vor allem bei Katzen. Herrenlose Hunde landen meistens im Tierheim, doch Katzen bedienen sich an der reichen Nahrungspalette der Natur und fressen Vögel, Amphibien und kleine Säugetiere, die keine Chancen gegen die Raubtiere haben. Selbst verantwortungsvolle Haustierhalter ignorieren die Auswirkungen ihrer Schützlinge auf die heimische Flora, wie jüngst Forscher der Universität Exeter in Großbritannien nachgewiesen haben. Dabei ging es um 45 Katzenbesitzer in zwei britischen Dörfern, die auf die beachtlichen Jagtrecken ihrer insgesamt 86 Haustiere hingewiesen wurden. Leider stießen die Forscher auf Ignoranz und Verständnislosigkeit: Die offensichtliche Faktenlage wurde nicht nur zurückgewiesen, mögliche Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden an der Fauna wie etwa Kastration oder Begrenzung des Freigangs wurden verweigert.

Eine Lösung wäre das Paderborner Modell, für das sich der DJV seit Jahren ausspricht. Es sieht eine dringende Registrierungs- und Kastrationspflicht für Katzen vor. Denn sind die Haustiere erst registriert, kann der Haustierbesitzer sich nicht mehr so einfach der Verantwortung entziehen. Zusätzlich würde die Kastration eine ungeplante Vermehrung stoppen. Die vielen mehr und mehr verwilderten Hauskatzen stellen eine ernst zu nehmende Bedrohung für die heimische Biodiversität dar. Mit dem Paderborner Modell kann der Teufelskreis durchbrochen werden. „Die Verantwortung für ein Haustier endet nicht zur Ferienzeit. Schon bei der Urlaubsplanung muss berücksichtigt werden, wo das Haustier untergebracht werden kann“, appelliert der Vizepräsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und Veterinär, Dr. Wolfgang Bethe.

Zwei Millionen Katzen laufen in Deutschland herrenlos und verwildert in Deutschland rum, so der Deutsche Tierschutzbund (DTB). Doch nicht nur das: 100  Millionen Vögel und 300 Millionen kleine Säugetiere fallen den teilweise verwilderten Haustieren pro Jahr zum Opfer. Mittlerweile hat sich das Raubtier den Platz 39 auf der Liste der gefährlichsten invasiven Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) erarbeitet.

Internationale Studien belegen, dass die Auswirkungen von Katzen auf die Natur immens sind. Vier Milliarden Vögel werden jährlich von Katzen in den USA erbeutet. In Großbritannien werden jährlich 275 Millionen Tiere, davon 55 Millionen Vögel, von Katzen getötet. Auch österreichische Forscher haben die dramatischen Auswirkungen auf die heimische Fauna belegt.

 

Checkliste für Urlaubreisende mit Haustieren:

Haustierpensionen in Deutschland:

www.tiere.de/Tierpension

www.snautz.de/hunde/hundepensionen/

Literatur

J. L. McDonald et al. (2015): Reconciling actual and perceived rates of predation by domestic cats. Ecology and Evolution. Volume 5, Issue 12. DOI: 10.1002/ece3.1553

K. Hackländer, S. Schneider und J.D. Lanz (2014): Gutachten „Einfluss von Hauskatzen auf die heimische Fauna und mögliche Managementmaßnahmen“. Universität für Bodenkultur. Wien.

S.R. Loss, T. Will und P.P. Marra (2013): The impact of free-ranging domestic cats on wildlife of the United States. Nature Communications. Nr 4, Artikelnummer 1396, DOI: 10.1038/ncomms2380.

O. Geiter, S. Homma, R. Kinzelbach (2002): Bestandsaufnahme und Bewertung von Neozoen in Deutschland. Untersuchung der Wirkung von Biologie und Genetik ausgewählter Neozoen auf Ökosysteme und Vergleich mit den potenziellen Effekten gentechnisch veränderter Organismen. Heft 25/2002, Umweltbundesamt. Berlin. ISSN 1862-4804.

M. Woods et al. (2003): Predation of wildlife by domestic cats Felis catus in Great Britain. Mammal Rev. 2003, Volume 33, No. 2, 174–188.

J.S. Coleman, S.A. Temple und S.R. Craven (1997): Cats and Wildlife. A Conservation Dilemma. In: wildlife.wisc.edu, University of Wisconsin.

statista (2013): „Studien und Statistiken zu Haustieren“. de.statista.com/themen/174/haustiere/